Der Gemüsegarten

Foto: Blick auf Hochbeete im Gemüsegarten

Der Ostseite des Klostergebäudes ist seit dem Jahr 2000 wieder ein Gemüsegarten vorgelagert. Hier war der klassische Ort klösterlicher Gärten. In Michaelstein ist er zumindest bis in das 18. Jahrhundert als bewirtschaftete Gartenanlage anzunehmen. Auf dieser Fläche befinden sich heute analog historischer Vorbilder langgestreckte Wege und Pflanzstreifen.
Die etwa 100 angebauten Pflanzen repräsentieren insbesondere die "feinen Gemüse" und "Würzen" der Mönchstafel sowie deren gewöhnliche Hausgemüse und Ackerfrüchte. Um einen Einblick in das pflanzliche Nahrungsmittelangebot vergangener Zeiten bieten zu können, werden ergänzend noch einige Feldfrüchte, Getreide, Obstsorten und essbare Blütenpflanzen vorgestellt. Beispiele eingebürgerter Gemüse des 16. bis 18. Jahrhunderts, die besonderes Interesse verdienen, sind dem klösterlichen Gemüsegarten hinzugefügt. Die ursprünglichen Anbauflächen der gewöhnlichen Ackergemüse, wie zum Beispiel Kohl und Linsen, sind im Gegensatz zum “feinen Gemüse” außerhalb der Klostermauern zu vermuten.

1 Gemüse des Mittelalters
Es wurde gewöhnlich von Klöstern in größeren Beständen außerhalb der Klostermauern auf dem sogenannten „Hausland“ und auch in den Gärten der Bauern kultiviert. Dazu gehören beispielsweise Amarant, Artischocke, Cichorie, Endivien, Haferwurzel, Schwarzwurzel, Portulak und Gurke. Einige Klöster hatten ihre Pflanzenbestände in Inventaren aufgezeichnet, die erhalten blieben. Mit diesen Quellen ist ein Vergleich vom 8. bis 16. Jahrhundert möglich.

2 Historische Rosen, Gemüse & Kräuter
In der Randbepflanzung gedeihen kletternde „Alte Rosen“ von Züchtungen des 16. bis 19. Jahrhunderts. Ihre Blütenpracht riecht außerordentlich intensiv und ist auch hervorragend zum Verzehr, zum Dekorieren sowie zur Herstellung von Marmeladen oder Likören geeignet. Umrahmt werden sie von ausdauerndem Gemüse und Kräuterpflanzen, wie Bohnenkraut, Schnittlauch und Mutterkraut, die sich besonders durch schöne Blüten und starkes Aroma hervortun.

3 Mittelalterliche Klostergemüse in Hochbeeten
„Hier grünen die schön aufwachsenden Gemüsepflanzen“ lautet die Beschriftung des „hortus“ im St. Gallener Klosterplan (um 820), nach dessen Aufzeichnungen diese Hochbeete gebaut und bepflanzt wurden. Klostergärten entsprachen zwar grundlegend den Dingen der Nützlichkeit, ästhetische Wertungen wurden jedoch auch vorgenommen. Die hier gedeihenden Klostergemüse, wie Bohnenkraut, Mangold, Rote Beete, Pastinake, Rettich, Sellerie, Zwiebel und Schalotte, gehörten vornehmlich zur Absicherung der Abt- bzw. dessen Gästetafel.

4 Gemüse der Neuzeit
Radieschen, Rosenkohl, Spargel und Kürbis zum Beispiel sind bis zum 17. Jahrhundert bekannt geworden und gelten heute nahezu als gewöhnlich. Gleichzeitig entstanden Kohlsorten wie Rosen-, Blumenkohl oder Brokkoli durch Züchtung und sind seit dem beständig auf den Speisezetteln zu finden. Der Erdbeerspinat gehört jedoch zu dem Gemüse, das früher bekannt und üblich war, aber wieder in Vergessenheit geriet.

5 Feldfrüchte und Getreide des Mittelalters
Dazu gehören Dinkel, Einkorn, Weizen, Lein, Erbsen, Futterwicke, Hirse, Kohl und Linsen. Sie wuchsen auf den Äckern und stellten die grundlegende Versorgung für Brot, Brei und Suppen dar. Lein und Hanf waren zudem Lieferant für Öl und Textilfasern.

6 Mittelalterliche Obst-, Zier- und Gemüsepflanzen
Edle Obstsorten, wie die Maulbeere, der Speierling oder der von Zisterziensermönchen gezüchtete „Borsdorfer Apfel“, deuten das überraschend vielfältige Sortiment des Mittelalters an. Unter den schön gestalteten Zier- und Gemüsepflanzen finden sich dann auch besonders gute Würzen der Kräuterküche. Dazu gehören Rosmarin, Fenchel, Borretsch und Brotklee.

7 Wildrosenhecke und -laube
Die gemischte Wildrosenhecke und -laube ist eine vorrangig bis zum 18. Jahrhundert auszumachende Garteneinfassungen. Die Rose als Attribut der Heiligen Jungfrau steht gleichzeitig für die Marienverehrung im Zisterzienserorden.

8 Rasen und kletterndes Gemüse
An den Gerüsten auf den langgestreckten Rasenstücken ranken sich kletterfreudige Gemüsepflanzen wie Kapuziner-Erbsen und Bohnen empor. Auch der Hopfen gehört dazu, denn dessen junge Sprossen können wie Spargel zubereitet und verspeist werden.

9 Weidenflechtzaun
Der Gemüsegarten ist nach Vorbild alter Gemälde und Grafiken von allen Seiten mit einem Weidenflechtzaun umfriedet.