Innere Klausur
Das Viereck der Mönchsgebäude um den Kreuzgang bildet den Mittelpunkt der Abtei. Hier in der
inneren Klausur befanden sich alle notwendigen Regularräume für die Professmönche. Es war der
abgeschlossene Bereich der Ruhe. Durch umfangreiche Erhaltungs- und Sanierungsarbeiten sind
wesentliche Teile dem Besucher zugänglich.
1 Museumseingang / Rezeption
im
Kalefaktorium
Das Kalefaktorium war ursprünglich der einzig beheizbare Raum des Klosters. Hier in der
Wärmestube konnten die Mönche Pergament und Tinte für den Gebrauch herrichten, sich aufwärmen und
ihre Schuhe einfetten.
2 Der frühgotische
Kreuzgang verbindet alle vier Klausurflügel. Er ist das Kernstück der Anlage und diente der
inneren Sammlung der Mönche. Im ältesten Teil, dem nördlichen Kreuzgang, erfolgte die abendliche
Kollatslesung.
3 Der Saal im Südflügel war
das Refektorium, der Speisesaal, in dem die Mönche gemeinsam ihre Mahlzeiten einnahmen.
Heute finden hier vorrangig Konzerte und Veranstaltungen statt.
4 Für die Nutzung als Stall und Vorratsraum ist der
Mönchssaal nach Auflösung des Klosters baulich stark verändert worden. Der Raum diente den
Brüdern einst als Studier- und Arbeitssaal. Heute wird ein Teil als Durchgang zum Kräutergarten
genutzt und zeigt die Dauerausstellung zu den Klostergärten.
5 In keinem Zisterzienserkloster fehlte
der östliche Ausgang. Oft war er gleichzeitig das Auditorium, der Sprechraum. Die Mönche
traten einzeln ein, der Prior wies ihnen die Arbeit zu und händigte die entsprechenden
Arbeitsgeräte aus. Von hier erreichten sie dann unmittelbar die Gärten.
6 Der Kapitelsaal war einst Versammlungs- und Beratungsraum der Mönche. Von der späteren
Nutzung als Kirche (1525 - 1720) zeugen noch heute die gemalten Weihekreuze an den Wänden. Es sind
auch deutlich die historischen Putze aus verschiedenen Jahrhunderten erkennbar.
Das gesamte Obergeschoss dieses Ostflügels bestand ursprünglich aus nur einem großen Raum,
dem Dormitorium. Dieser Saal erreichte solche Ausmaße, sollten doch nach der Ordensregel alle
Mönche in einem Raum schlafen.
7 Der tonnengewölbte Raum weicht vom üblichen Bauschema einer Zisterzienserabtei ab. Seine
unmittelbare Nähe zur Sakristei sowie zum nördlichen Kreuzgang (Lesegang) lässt auf eine Nutzung
als Armarium (Bücherzelle) schließen. In diesem Bereich befand sich auch in anderen Abteien eine
Bibliothek, Zelle oder Wandnische zur Aufbewahrung liturgischer Bücher. Bei den jüngsten
Restaurierungsarbeiten wurden Reste des Originalfußbodens entdeckt. Einige vorgefundene historische
Ziegelplatten dienten als Vorlage für die Neuen.
8 Eine weitere Besonderheit Michaelsteins stellt die sogenannte
Abtskapelle dar, die ebenfalls vom Schema abweicht. Hier haben sich die einzigen gotischen
Maßwerkfenster der Klausurgebäude erhalten. In der Literatur wird die Kapelle auch als Tonsorium
erwähnt, wo den Mönchen die Tonsur geschnitten wurde.
9 Der Arkadengang wurde erst später dem älteren Kreuzgang vorgebaut. Er ist flach gedeckt
und hat keine Strebepfeiler.
10 Die von der Klausur umschlossene freie Fläche wird in der Literatur als
Kreuzgangshof oder Kreuzgarten bezeichnet. Dem Eingang zum Refektorium gegenüber befand sich
üblicherweise, vom Kreuzgang in den Hof gebaut, das Brunnenhaus. Dort wuschen sich die Mönche
täglich das Haupt und vor den Mahlzeiten die Hände. Noch im 17. Jahrhundert war ein "großer Runder
Rohr wasserstein", die Waschschale, vorhanden. Heute wird der Hof für unterschiedlichste
Veranstaltungen genutzt.
11 Der Westflügel war ursprünglich den Laienbrüdern vorbehalten. Seine heutige Gestalt
erhielt er durch die Umbauarbeiten im Auftrag des Herzogs Ludwig-Rudolf von Braunschweig Anfang des
18. Jahrhunderts. Die barocke Kirche im nördlichen Teil wurde 1720 im Beisein des Herzogs geweiht.
Im gesamten Westflügel finden zur Zeit Sanierungsmaßnahmen statt. Während der Bauzeit (bis Herbst
2012) ist der gesamte Bereich nicht zu besichtigen. In den ehemaligen herrschaftlichen Räumen in
der oberen Etage wird ab Ende 2012 die Ausstellung historischer Musikinstrumente in einem neuen
Konzept zu besichtigen sein.